Diese Patienten lachen und weinen fast zu gleicher Zeit, heute loben sie Bekannter und Freunde, morgen beschimpfen sie dieselben. Sie stehen in ihrer Umgebung lauter herzlose Menschen, die mit ihrem Krankheitszustand kein Mitleid haben. Überhaupt haben sie das Bestreben, sich ihrem wirklichen oder eingebildeten Leiden interessant zu machen und damit das Mitleid oder doch wenigstens die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung auf sich zu lenken. Durch Krämpfe in den Muskeln des Gesichts, Halses, Kopfes und Kehlkopfes und der Speiseröhre erfolgt Knirschen mit den Zähnen, unmäßiges Schreien und Brüllen, lautes Lachen und Weinen ohne äußere Veranlassung und oft rasch untereinander abwechselnd, Schluchzen, Gähnen, kurzes, in Abständen erfolgendes Atemholen. Im letzen Stadium stellt sich auch Ohnmacht ein; während dieses Zustandes hören oder fühlen die Patienten, was mit ihnen und ihrer Umgebung vorgeht. Nur der Körper erscheint als scheintot.

Die Grundursachen sind Nervenschwäche, vor allem verkehrte Erziehung des weiblichen Geschlechts.

Kurvorschrift

Wohlmeinende Prügel helfen nur selten. Besser bewährt haben sich reizlose, aber kräftige Kost, täglich lauwarme Ganzwaschungen. Öftere Luft- und  Sonnenbäder, Barfußgehen, Schlafen bei offenem Fenster auf harten Matratzen und vor allem täglicher Stuhl.  Zudem entferne man aus der Umgebung sämtliche Gegenstände, welche die Nerven zu reizen in der Lage sind, z.B. Bücher, Bilder etc. und untersage streng Theater- oder Konzertbesuche, fördere hingegen leichte Handarbeit oder dergl. Auf keinen Fall ist der Genuss von Absinth oder ähnlichen Getränken zugelassen, in schweren und dringenden Fällen jedoch die Einnahme von Laudanum.

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