Krankheitsbeschreibung

Wahnsinn äußert sich in mannigfacher Gestalt, so dass eine allgemeine Umschreibung nicht möglich ist. So mögen uns drei Fälle zur induktiven Anschauung dienen.

(I) Frau M., aus Großbritannien. Der behandelnde Arzt sowie die zur Bewachung der Kranken abgestellte Schwester berichteten von nächtlicher Unruhe, Schlafwandel, Phobie vor Dunkelheit, halluzinatorische Empfindung von Geräuschen. Daneben wurde ein krankhafter Waschzwang der Hände beobachtet, welche die Patientin als blutbefleckt wähnte. Schließlich kam die Patientin durch Selbstmord zu Tode. Eine gerichtliche Untersuchung ihrer Lebensgeschichte brachte hernach zu Tage, dass die Kranke nicht nur an der Ermordung eines Staatsoberhauptes teilschuldig, sondern auch noch in mehrere Verdeckungsdelikte verstrickt war. 

(II) Fräulein O. aus Helsingør. Relativ plötzlich erkrankte die O. an einer schweren Form von Persönlichkeitsstörung, die sie überall Blumen erblicken ließ. Dieser Hang zur Floristik kostete sie schließlich das Leben, als sie einen Blumenkranz an einem Weidenbaum zu befestigen suchte, dabei in den darunter befindlichen Bach fiel und ertrank. Auch hier lassen die jüngsten Lebenserfahrungen den Keim der Krankheit erkennen: Von ihrem Geliebten ward sie zurückgewiesen, vom Vater und Bruder besonders streng zu Sittlichkeit angehalten, was eigentlich nicht verwerflich, sich in Kombination mit dem plötzlichen, gewaltsamen Tod des Vaters (Totschlag durch den Geliebten) jedoch ihrer Geisteskraft äußert abträglich zeigte. 

Zwar ist das weibliche Gemüt, seines Zeichens oftmals bestimmt von flatterhafter Unstetigkeit, diversen Launen und einem natürlichen Hang zu Hysterie, besonders gefährdet, doch können ähnliche Krankheitsformen ebenfalls bei Männern entdeckt werden. 

(III) So beispielsweise bei Franz W. aus Leipzig. In den Diensten der Fahne, vermutete er überall gefährliche unterirdische Pilze oder die Freimaurer, vernahm von anderen nicht zu hörende Geräusche, litt an Fieber. Obzwar ein Arzt ihn zur medizinischer Erprobung neuartiger Ernährungsformen unter Beobachtung hielt, blieb W.s Zustand unentdeckt. Seine Geliebte, mit welcher er ein uneheliches Kind unterhielt, zeigte sich der Gesellschaft höherer Dienstgrade nicht abgeneigt und wurde von W. ob dessen erdolcht, wonach sich der Patient selbst in einem Teich vor der Stadt ersäufte.

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